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5. NRW-Nachhaltigkeitstagung

„Heute Handeln! – Umsetzung der NRW-Nachhaltigkeitsstrategie“

Bericht zur 5. NRW-Nachhaltigkeitstagung am 29.9.2016 in Münster

Wie gestalten wir die große Transformation zur Nachhaltigkeit? Diese Frage bildete das Leitmotiv der 5. NRW-Nachhaltigkeitstagung am 29. September 2016 im Schloss der Universität Münster. Unter dem Motto „Heute Handeln! – Umsetzung der NRW-Nachhaltigkeitsstrategie“ diskutierten über 400 Akteure aus Politik, Kommunen, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft die Möglichkeiten zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie für Nordrhein-Westfalen, die am 14. Juni dieses Jahres von der Landesregierung verabschiedet worden war.

„Nachhaltigkeit kann nicht von der Politik oktroyiert werden, sondern muss von unten wachsen. Die NRW-Nachhaltigkeitsstrategie bietet einen Handlungsrahmen, den wir nun mit Leben füllen müssen“, erklärte NRW-Umweltminister Johannes Remmel zur Eröffnung der Tagung, die einen besonderen Fokus auf das Engagement von Kommunen und Zivilgesellschaft richtete. Die Transformation zur Nachhaltigkeit in Nordrhein-Westfalen soll – wie bereits die Entwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie – ein breit angelegter Partizipationsprozess werden.

Das Münsteraner Schloss, Hauptgebäude der Westfälischen Wilhelms-Universität, war bewusst als Tagungsort gewählt worden, um die wichtige Rolle von Wissenschaft und Forschung für den NRW-Nachhaltigkeitsprozess zu verdeutlichen. Universitätsrektorin Prof. Dr. Ursula Nelles beschrieb die Notwendigkeit der interdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung, die in Münster bereits praktiziert werde. Um die angestrebten Ziele einer nachhaltigen Entwicklung zu erreichen, müsse Nachhaltigkeit präzise definiert werden, forderte Nelles.

Die Definition von Nachhaltigkeit als Herausforderung für die Forschung erörterten anschließend NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze und Prof. Dr. Doris Fuchs, Sprecherin des Zentrums für interdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung der Universität Münster. Ministerin Schulze betonte, dass der Fortschritt in Nordrhein-Westfalen unmittelbar mit dem Thema Nachhaltigkeit zusammenhänge. Eine integrative beziehungsweise transdisziplinäre Forschung, der Austausch zwischen Wissenschaft und praktischem Wissen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft seien notwendige Prozessschritte auf dem Weg zur Nachhaltigkeit.

Dass erfolgreiche Nachhaltigkeitsprozesse vor allem von den Menschen vor Ort, den Bürgerinnen und Bürgern getragen werden, zeigten Erfolgsbeispiele aus Münster, Dortmund und dem Kreis Steinfurt, die zu den 15 Modellkommunen im Projekt „Global Nachhaltige Kommune in NRW“ gehören, sowie aus der Stadt Essen, die 2017 „Grüne Hauptstadt Europas“ sein wird. Unter der Moderation von Dr. Tanja Busse stellten die Oberbürgermeister Markus Lewe und Ullrich Sierau, die Beigeordneten Simone Raskob und Matthias Peck sowie Landrat a.D. Thomas Kubendorff die Aufgaben und Herausforderungen einer nachhaltigen Stadt- beziehungsweise Kommunalentwicklung dar. Einen Einblick in Nachhaltigkeitsprozesse im europäischen Ausland brachte Rolf Holub, Landesrat für Umwelt, Energie, Nachhaltigkeit und öffentlichen Verkehr im österreichischen Land Kärnten, in die Diskussion ein. Wie wichtig die lokal-regionale Handlungsebene für die nachhaltige Entwicklung nicht nur aus Landes-, sondern auch aus Bundes- und internationaler Perspektive ist, machte Professor Dr. Günther Bachmann, Generalsekretär des Rates für nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung, deutlich. Die Akteure der Nachhaltigkeit müssten vor allem Brücken in die Gesellschaft bauen.

In zehn, über den Tag verteilten Themenforen konnten die Teilnehmer der Tagung verschiedene Aspekte einer nachhaltigen Entwicklung vertiefen, unter anderem zu den Themen alternative Wirtschaftsformen, Klimaschutz, Umweltwirtschaft, nachhaltiges Investieren sowie Nachhaltigkeitsindikatoren. Ein Markt der Möglichkeiten bot darüber hinaus Gelegenheit zum Netzwerken.

Einen besonderen Schwerpunkt legte die NRW-Nachhaltigkeitstagung auch in diesem Jahr auf die Perspektive künftiger Generationen. Schon zum Einstieg thematisierten Schauspieler des Münsteraner Jugendtheaters Cactus in einem temporeichen Stück die vielfach halbherzige öffentliche Diskussion um Nachhaltigkeit und wirtschaftliches Wachstum. Gewinnerinnen und Gewinner aus den Landeswettbewerben „Jugend forscht“, „Schüler experimentieren“ und „We Tube“ stellten darüber hinaus ihre Beiträge zur praktischen Nachhaltigkeit vor. Unter der Moderation von Jil Blume erörterten im Landesjugendring NRW aktive Jugendliche, wie Jugendliche in gesellschaftlichen Partizipationsprozessen mitwirken können. Bernd Neuendorf, Staatssekretär im NRW-Jugendministerium stand den jungen Menschen zum Jugendförderplan, zur Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre oder zu den gymnasialen Schulzeitmodellen Rede und Antwort.

Anschließend begrüßte NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann das außerordentliche Engagement, das junge Menschen beim Thema Nachhaltigkeit zeigen. Zugleich stellte sie die Bedeutung der Bildung zur nachhaltigen Entwicklung heraus, die als Querschnittsthema in allen Unterrichtsfächern und allen Bildungsinstitutionen verankert werden solle. Die Schule der Zukunft müsse auch außerschulische Lernräume bieten. Wie das geht, zeigte z.B. ein vorgestelltes Projekt der Erich-Klausener-Realschule am Aasee in Münster. Dort organisierten Schüler und Lehrer einen Aktionstag, der die unmenschlichen Rahmenbedingungen der Handy-Produktion vor Augen führte. Auch die Schülervertreter wünschten sich einen Ausbau nachhaltig orientierter Schulprojekte und Bildungsangebote.

 

Die 6. NRW-Nachhaltigkeitstagung ist für den 19. Oktober 2017 in der „Grünen Hauptstadt“ Essen geplant.